Marine­schulen

TMS Brake • TMS Kiel • MUS Plön

4. Quartal 1989 - MUS Plön Maatenlehrgang

Der Weg zum Unteroffizier Teil II

Der zweite Teil meiner Unter­offiziers­ausbildung stand an, und ich sollte nun wirklich zum Unteroffizier auf der MUS Plön ausgebildet werden. Was ich jedoch bis dato immer außer acht gelassen hatte, mir entsprechende Schulterklappen zu besorgen, ich war ja kein einfacher HG mehr, sondern ein HGUA. Aber irgendwie habe ich dies dann doch noch vor Antritt in Plön geregelt bekommen.

Bild 1 von 1In Plön an­ge­kommen mussten wir UAs uns erst einmal richtig militärisch melden, was wir an Bord eigentlich nie mussten und somit auch etwas verlernt hatten. Es schien jedoch nicht so schwer, gab es doch im Empfangsbereich entsprechende Unterlagen, auf denen der Spruch stand, den man aufzusagen hatte. Ich versuchte mein Glück und wurde prompt zu den anderen Wartenden zurückgeschickt. Nur was hatte ich falsch gemacht? Zweiter Versuch, wieder wurde ich angeraunst "Soldat, wie laufen Sie eigentlich herum?". Ich fand an meiner ersten Geige eigentlich nichts auszusetzen, zupfte jedoch hier und dort herum und hatte damit Glück, so dass ich in die 5. Inspektion, Hörsaal 54 aufgenommen wurde. Nach dem ersten Schreck ging es dann mit militärischem Drill und sportlicher Aus­bildung los. Auch wurden wir zu Ausbildern geformt, nach dem Motto "Vormachen, Nachmachen, Üben", schließlich sollten wir später als Unteroffiziere unsere Gasten anleiten.

An der MUS waren die einzelnen Ver­wendungs­reihen nicht mehr unter sich, so wie an der TMS, sondern wurden bunt durcheinander gewürfelt. So hatten wir in unserem Hörsaal einen Namensvetter von mir, einen OGUA - 76 - D. Lange. Hatte ich noch an Bord gelernt, dass 76er die "Spatenpaulis der Marine" sein, musste ich schnell feststellen, dass die auch schwer in Ordnung sein konnten. So hatte er uns z.B. bei unserer 36 Stundenübung, bei welcher wir uns mittels Koordinaten durch die Umgebung von Plön schlagen mussten, bestens geführt, auch wenn jeder aus unserer kleinen Gruppe mal die Führung übernehmen musste. Er gab dann zum richtigen Zeitpunkt die entscheidenden Hinweise, ohne dass unsere Ausbilder etwas davon mitbekamen. Unser 76er war wirklich schwer in Ordnung, auch wenn Bordfahrer von Landeiern nichts hielten.
Ein weiterer Kamerad, welchen ich immer in sehr guter Erinnerung behalten werde, war unser Smut. Er hatte es mit Sicherheit nicht nur auf diesem Lehrgang nicht einfach, aber er war der liebenswerteste und menschlich gebliebene Junge unseres Hörsaals. Ich war mit ihm und noch zwei weiteren Kameraden auf einer Stube. Er brachte uns nicht nur mit seinem morgendlichen Ritual, in welches er uns gelegentlich mit einbezog, zum Lachen, er war auch sonst für jede Überraschung gut.

Die Stunden der Ausbildung zum Ausbilder gefielen mir am besten, und ich merkte schnell, dass mir das Ausbilden lag, was mir später an Board wieder zugutekommen sollte. Plön fing an mir zu gefallen, auch wenn wir manchmal bis an unsere Grenzen geführt wurden. Vielleicht lag es aber auch nur daran, dass ich mich verliebt hatte, auch wenn dies nicht erwidert, jedoch auch nicht abgelehnt wurde. Die Freizeit wurde so nie langweilig, da wir sehr viel unternommen haben - in der Woche in Plön und an Wochenenden auch mal in Kiel.
So verging dieses Quartal für mein Empfinden viel zu schnell, und es näherte sich die Zeit des neuen Kommandos. Für mich war völlig klar, dass es nur ein Bordkommando, am liebsten auf einem DDG, sein konnte. Einer meiner Ausbilder war zwar der Meinung, dass ich als Ausbilder z.B. in der Grundausbildung bessere Dienste leisten konnte, aber wir 43er waren Mangelware an Bord, so dass ich nun als Maat mein Bordkommando bekam. Leider verlor ich unseren Smut nach dem Lehrgang etwas aus den Augen. Was ich damals jedoch noch nicht wissen konnte, dass dies nicht für immer sein würde.

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