Vom Zivilisten zum Matrosen

Im Februar 1988 hatte ich meine Ausbildung zum Elektroinstallateur erfolgreich abgeschlossen. Für mich stand jedoch fest, dass ich diesen Beruf nicht mein Leben lang ausüben wollte. So habe ich Erkundigungen eingeholt, welche Möglichkeiten es für mich gibt. Der Elektrotechniker schien mir die richtige Richtung, da er mir flexibler erschien und ich mich damals schon sehr für Computer interessiert habe. Auch, dass ich erst drei Jahre Berufserfahrung sammeln musste, kam mir sehr entgegen, da ich zu dieser Zeit keine Lust mehr auf Schule hatte. Nur wie kann man drei Jahre Berufserfahrung sammeln, ohne auf dem Bau tätig zu sein und dann auch noch viel erleben?
Da kam mir die Post vom Kreiswehrersatzamt, welches anfragte, ob ich mit meiner Ausbildung fertig sei, gerade recht. Ich erzählte denen von meinen Plänen und erfuhr, dass ich die Zeit bei der Bundeswehr als Berufserfahrung anerkannt bekomme, wenn ich verwendungsnah eingesetzt werde. Für mich als echte Kieler Sprotte stand fest, dass ich zur Marine und dort auch zur See fahren will. So beschloss ich, mit Hilfe des Kreiswehrersatzamts Bordelektriker zu werden.

Wie vereinbart ging es dann sehr schnell, und ich hatte meinen Einberufungsbescheid und sollte mich im April 1988 in Brake (Unterweser) melden.

Verdutzt kam ich dort an und fragte mich, wo bitte sind hier die Schiffe? Ich war an der TMS Brake gelandet. Für mich brach eine Welt zusammen, wollte ich doch eigentlich erst einmal keine Schulbank mehr drücken, sondern etwas von der Welt sehen.

In Brake wurde ich vom Zivilisten zum Matrosen, welcher die VwdgR 43 erhalten sollte. Die ATN würde mich befähigen die Bordelektrik instand zu halten. Ohne diese würde ich es an Bord sehr schwer haben und keine Anerkennung bekommen.
Da die Voraussetzungen, wie in der Einleitung geschrieben, für meinen Elektrotechniker drei Jahre Berufserfahrung waren, habe ich in Brake dann gleich einen Antrag auf SaZ 4 gestellt.

Ich kam in die 4. Inspektion, die Inspektion in welcher die E-Mixer ausgebildet wurden. Wir wurden in drei Züge aufgeteilt, immer schön der Körpergröße nach sortiert. Ich kam in den 2. Zug, genauer 5. Gruppe.

Bild 4 von 8 Unsere Unterrichtsfächer waren sehr vielseitig und für mich mehr als uninteressant - hatte ich doch eigentlich gehofft, erst einmal keine Schulbank mehr drücken zu müssen. Dies blieb leider auch einem Oberbootsmann nicht verborgen, den ich auch gleich noch in zwei Fächern hatte. Ich mochte ihn nicht, er mich nicht - so bildete ich es mir wenigstens ein. Dafür konnte ich sehr gut mit meinem Gruppenleiter, einem Obermaaten. Von dem erfuhr ich, dass ich mich, wenn ich etwas von der Welt sehen will, um ein Kommando auf einem Dickschiff bewerben sollte. Dickschiff - was war das nun schon wieder? Bei der Marine gibt es Schiffe und Boote. Auf einem Boot gibt es keinen IO und es sind kleine Einheiten, die i.d.R. nicht so weit rum kommen.

Dass die Deutsche Marine nicht nur auf den Weltmeeren zu Hause ist, belegen die folgenden Fotos. Wir hatten damals drei Tage militärische Grundausbildung in Bümmerstede, welche für mich eine willkommene Abwechslung zum Marine- Schulalltag waren. Dies sollten jedoch nicht meine einzigen Tage in Grün sein, wie sich später noch herausstellen sollte.

Nach der für mich doch wirklich schönen Abwechslung, drei Tage Bömerstede, hatte der Marine-Schulalltag mich wieder. Ich wurde damals mit den ganzen theoretischen Themen nicht warm und habe es einfach über mich ergehen lassen. Mir kam zwischenzeitlich sogar der Gedanke, ob ich nicht lieber hätte zum Heer gehen sollen, weil mir die militärischen Themen viel mehr Spaß gemacht hatten - zum Glück hatte ich den Gedanken jedoch schnell verworfen. Wie war ich doch stolz, dass ich aus meiner Gruppe ein G3 blind am schnellsten auseinander- und wieder zusammenbauen konnte. Mir lagen eindeutig die praktischen und nicht die theoretischen Themen.

Bild 8 von 8Wie bei der Bundeswehr üblich, wurden auch wir feierlich vereidigt - in Brake auf dem Marktplatz. Dass wir die Tage davor jedoch jeden Tag das richtige Marschieren und Aufstellen auf dem Exerzierplatz in der Kaserne geübt hatten, blieb den meisten verborgen. Aber auch dies gefiel mir, hatte doch der Obermaat gelegentlich einem von uns das Kommando übergeben, damit wir sehen konnten, wie die Jungs marschieren, wo die Fehler sind.

So ging für mich die Zeit der Grundausbildung zu Ende, und ich hatte dank des Tipps meines Gruppenleiters mein Wunschkommando auf einem Dickschiff bekommen. Mein Glück wurde jedoch von einer kleinen Blessur in meinem Lebenslauf getrübt. Was ich zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht wissen konnte, sollte dieser kleine Makel, die ATN nicht erhalten zu haben, für mich noch zum Glücksfall werden.